Die schönste Straße von Albanien

Wir brechen in Tirana auf mit dem Ziel heute in Richtung Süden ans Meer und bis nahe vor den Llogara-Pass zu gelangen. In Durres verpassen wir mal wieder die richtige Ausfahrt.Die Schilder machen es einem nicht unnötig leicht 😂. Wir nutzen die Gelegenheit, versorgen uns mit 20.000 Leke am Geldautomaten und erfahren im Office von Adria Ferries, dass wir z.B. am 10. Mai für 175€ nach Bari übersetzen könnten.
Unser zweiter, diesmal geplanter Stop, ist die Festung Bashtova, die wir über eine abenteuerliche  Landstraße - um schneller als 30km/h zu fahren, ist man gezwungen permanent zwischen eigener und Gegenspur hin und her zu wechseln - erreichen. 
Das Kastell steht scheinbar im Nirgendwo. Hinter den Äckern kann man das Meer erahnen. Im Innenhof weidet eine Schafherde. Ein Hirte döst auf den Mauern. Ein weiteres Auto, sonst nur wir.
Wir machen Mittag, essen Nudeln vom Vortag, und haben hier zum ersten Mal das Gefühl in Albanien so richtig angekommen zu sein. Genauso hatten wir es uns ausgemalt. 
Zu Brunos Mittagsschlafenszeit geht es weiter. Kurzfristiger, aber umso lohnender Stop am orthodoxen Kloster Ardenica, einem der ältesten Albaniens. Kirchen beeindrucken uns selten, diese hier schon. Alles recht finster hier, Weihrauchduft, filigrane Malereien auf dunklem Holz, dazu viel Gold. Fotografierverbot. Der alte Mann, der uns durch die Kirche führt meint, dass wir Bruno natürlich in der Kirche fotografieren dürften („you can of course take picture of the baby“), und zwinkert verschmitzt. Wir zeigen und mit einer Spende für den Erhalt des Kunstwerks erkenntlich. 
Jetzt nochmal auf die Straße, die Ausgrabungen von Appolonia schenken wir uns. Bruno hat bisher super mitgemacht, aber dafür würde er uns heute hassen. Die Straße ist top ausgebaut und die Kilometer fliegen ausnahmsweise dahin. Gleich sind wir in der Küstenstadt Vlora. Unser kleiner Mann im Kindersitz hat so langsam - vollkommen zu Recht - genug und Svenja zieht auf dem Rücksitz neben ihm alle Bespassungsregister. Die Kinderlieder-CD mit allen großen Gassenhauern 
wird von uns mittlerweile nach rund 2.000km mit schlafwandlerischer Sicherheit lauthals mitgeträllert. Aber auch das hilft gerade nicht mehr. Ab Vlora bekommen wir einen Vorgeschmack auf die albanische Riviera. Und Svenja - oder war ich es? - fängt an im Stile des serbokroatischen Schlagersängers Bata Ilic (wer kennt ihn nicht 😂), auf die Melodien verschiedenster Fußballstadien-Gesänge, von der „scheensten Straße von Albanien“ zu singen. Mit jeder Kurve der tatsächlich sehr schönen Küstenstraße folgt eine weitere Nonsens-Strophe, gefolgt von unserem „Hit-Refrain“, der Bruno nun tatsächlich, als letztes Mittel unserer Wahl, zu begeistern scheint😂. 17km später fahren wir immer noch singend in Orikum ein. Wir sind alle fertig mit den Nerven und unseren Ohren, und stehen vor dem Campingplatz Dion, der direkt am Meer liegt. Eine überaus braun gebrannte ältere Dame winkt uns in breitestem „frängisch“ auf den Stellplatz. Wird sind uns sicher: das wird lustig hier 😊🌊🏝