Ringsherum das ist nicht schwer

Unser letztes Lebenszeichen ist eine ganze Weile her. Ganz oft kein Internet, nette Leute kennen gelernt, keine Zeit gefunden ... aber jetzt wird wieder geschrieben.

Nach Orikum geht es über den Llogara-Pass, viele Kurven rauf und lang gezogene Serpentinen wieder runter. Auf dem Pass begrüßt uns der gigantische Blick hintunter auf die albanische Riviera, die bis zur Insel Korfu reicht. Serpentinen schön, aber nicht gut. Svenja ist vom hoch und runter und links und rechts der Küstenstraße speiübel, bis wir endlich in Himara ankommen. Ein antikes griechisches Kastell und der alte Ortskern wachen über der Bucht mit glasklarem kühlem Wasser. Wir fühlen uns total wohl, gehen morgens schwimmen, mittags in den Schatten und nachmittags nochmal an den Strand. Auch hier finden wir einen der 200.000 Bunker aus der Epoche von Enver Hoxha. 
Prinz Bruno liebt die großen und kleinen Kiesel hier am Strand und  auf den Schultern seines Vaters über den Campingplatz, um neue Bekanntschaften zu machen. Hier staunt er über seine erste Ziegenherde, die über den Strand getrieben wird.
Besonders beliebt aktuell unter eloquenten wohl situierten Wohnmobilisten: Mann und Frau tragen beide stets schlichtes schwarz, a la Architektenfamilie. Trotz knallender Sonne ab 8:00 Uhr morgens😂👍
Hier bleiben wir drei Tage,bis uns die Hitze fertig macht und uns die Unruhe packt. 

Noch mehr Küstenstraße, vorbei an unwirklichen James-Bond-haften U-Boot-Bunkern aus Diktatur-Zeiten, über die Burg von Sarande nach Ksamil, das uns dann mit seinen vielen Reisebussen doch nicht gefällt. Wir landen am Monastery Beach. Der Weg runter zum Strand und dem mit sonntäglichen einheimischen Gästen prall gefüllten Bretterbuden Italian Restaurant ist so steil, dass wir ihn erstmal zu Fuß begutachten. Campingplatz als Titel ist vielleicht etwas übertrieben, aber hier können wir die Nacht über stehen. Als einzige Übernachtungsgäste, direkt am Strand, wie toll ist das denn? Davor gibt es geschmorten Aal und Ziegeneintopf und Bruno hangelt sich im Restaurant von Stuhl zu Stuhl und Gast zu Gast,  lernt weiter Laufen und kontaktet neuerdings ganz intensiv. Am Ende bekommt er - “You can keep this, a little souvenir from Albania” - von einer Familie einen Fußball geschenkt. Der Inhaber erklärt uns, dass er dass Grundstück von seinem Großvater geeerbt hat. “We try to do a little something with our restaurant here. You can be lucky in your country, where everyone respects the law. Here all they respect is the Kalashnikov.” Da hat er wohl verdammt recht mit. Nachts hören wir die Fischerboote in der Bucht die Netze auslegen. Albanien-Klassiker: einer von uns muss nachts aufs Klo, aber Hundegebell rund ums Auto belehrt uns eines Besseren. Dann gehen wir jetzt mal wohl nicht pinkeln😮🙈. 

Der darauf folgende Tag wird unser Tag des Weltkulturerbes: wir schlendern unter Schatten spendenden Bäumen durch die antike Stadt Butrint, die griechische, römische und venezianische Prägungen hat. Wir nehmen die Seilfähre über die Lagune, machen vor der griechischen Grenze kehrt und beginnen unseren Rückweg über den Norden und Osten Albaniens. Einmal gegen den Uhrzeigersinn durch das Land. Nix mit Fähre nach Italien, wir wollen es jetzt wissen. Next stop, eine Paßstrasse weiter: Gjirokaster, ebenfalls Weltkulturerbe und beieindruckendes Denkmal albanischer (Bau-) Kultur. Wo Häuser aufgrund von Blutrache und entsprechendem Sicherheitsdenken im ersten Stock schlicht keine Fenster haben. Beeindruckend! 

Es geht weiter in Richtung Osten des Landes und die Gegend wird im entlegener, so in etwa schwäbische Alb von Albanien. Kurz vor Dunkelheit erreichen wir unser Etappenziel Benja, natürliche Thermen in einem Flusstal, die wir über eine historische osmanische Bogenbrücke erreichen. Hier campen wir wild mit anderen Mitstreitern, die uns mit ihrer Mongolei-Reise im Wohnmobil inspirieren. Das Baden in den Thermen am nächsten morgen ist der Wahnsinn! Der Wahnsinn werden dann auch die folgenden 50 km Fahrspaß. Mehr davon in Kürze 😜