Die Bucht von Kotor hat uns mit Montenegro versöhnt*

(*frei nach Tocotronic)

Es ist dem Zufall zu verdanken, dass wir am Ende noch zwei wunderbare Tage in Montenegro verbringen. Nach dem wir keine 9€ in bar haben, setzen wir erst einmal nicht mit der Fähre von Lepetane nach Kamenari über, sondern fahren einfach weiter der Bucht von Kotor entlang. Und wir trauen unseren Augen kaum, als wir entlang der unglaublich schmalen Küstenstraße die fjordartige innere Bucht mit der Stadt Perast und der vorgelagerten (mal wieder Kloster-) Insel Gospa od Skrpjela erblicken. Unser Gefühl: so schön wie etwa der Gardasee, aber keiner kennt diesen Fleck. Zwei Kurven später biegen wir auf den entzückenden Camping Mimosa ein. Dessen freundlicher Besitzer Barto erinnert ein wenig an die schlacksige Comicfigur Gaston und pflückt für uns Kirschen aus den Bäumen. 

Wir spazieren nachmittags an der Straße entlang 11km (dachten das sei kürzer 😂) bis nach Kotor zum Geldautomaten. Die Straße ist abenteuerlich, da an kaum einer Stelle zwei Autos aneinander vorbei passen. An jeder Ecke stehen Wasserballtore (Nationalsportart) bereit, um ins Meer gelassen zu werden. Während Albanien das Land der alten Mercedes ist, wimmelt es hier von 2er Golfs und T3 VW-Bussen.
Kotor haut uns um. Obwohl sehr touristisch und eine Art Europapark Modellstadt in echt, einfach bezaubernd. Die kleine mediterrane Altstadt ist umgeben von Festungsmauern, die hinter der Stadt gefühlt bis in den Himmel hinauf gebaut wurden. Klar, dass Kotor auf der Route der gängigen Kreuzfahrtschiffe liegt. Entsprechend sind es am einen Tag hauptsächlich Franzosen, die wir in der Stadt treffen, am Folgetag Amerikaner und Kanadier.

„Bruno Momento, por favor☝️“:
In den letzten drei Wochen ist Bruno wirklich immer mehr vom Baby zum kleinen Jungen geworden. Wir können das Wachstum anhand des Busses sehen. Bruno kann jetzt an der Heckscheibe unterhalb des Überkopf-Stauraums nicht mehr aufrecht stehen. Er hat nun beinahe acht stattliche Zähne, kann schon ein paar Sekunden frei stehen, beginnt an Dingen hoch zu klettern, isst Gurken, Tomaten, Nudeln, Kartoffeln, Brot, und “giert” nach den Sachen, die wir essen. Und trinkt aus der Flasche oder einem Glas. Er hat den Bus besser und detaillierter erkundet als je ein Mensch zuvor. Er zeigt jetzt deutlich, was er will und nicht möchte und freut sich mit einem kichernden herzergreifenden Lachen. Bruno kontaktet jetzt bewusst seine Mitmenschen und scheint die „Bühne“ etwa in Restaurants zu lieben 😂. Wenn andere Kinder Ball spielen, hebt er seinen linken Arm, als wolle er sagen „hier bin ich“. Seine Laufübungen hat er aktuell reduziert, dafür trainiert er seine Feinmotorik und schraubt unermüdlich Deckel auf Plastikflaschen, solange, bis es klappt. Bruno gewinnt unseren Preis für das süßeste Kind des Tages und wird von SupermarktmitarbeiterInnen und Kellnern auf die herzlichste südländische Art geknuddelt und mit Küsschen versehen.

Wir verbringen den nächsten Morgen erneut in Kotor, schwitzen uns die Festung empor. Gehen Eis essen, shoppen ein wenig und entdecken etwas außerhalb das Grillrestaurant Tanjga. Der Eigentümer ist so stolz wir man es nur sein kann auf die Qualität seiner Fleisch-Speisen. Zu recht: wie essen hier die beste und schärfste Balkanplatte ever! 

Die dreiwöchige Tour durch Albanien war doch auch anstrengend. Bei der Einfahrt in die Bucht von Kotor merken wir, wie langsam bei uns dreien eine große Ruhe und Entspannung einkehrt. Nach unserem schwierigen Start in Montenegro sind wir komplett versöhnt und glücklich hier zu sein. Allein schon das Schwimmen in der Bucht im wellenlosen Salzwasser ist unbeschreiblich gut.

Als wir zurück kommen ist der Campingplatz fest in deutscher Hand. Aussteigersohn Piet (siehe lohnende ZDF 37Grad-Doku „Mensch Gottfried“), Kattha, Julian, Dani und wir verbringen eine super Zeit gemeinsam. Song des verregneten Abends ist das passende „Liquid Sunshine“ von Biga Ranx. Piet erbt unseren zusätzlichen Gaskocher, den wir unnötiger Weise durch die Gegend fahren, und der perfekt in seinen selbst ausgebauten Caddy passt.

Diesmal mit 9€ in der Tasche, nehmen wir die Fähre auf die andere Seite der Bucht, weiter der Küste entlang. Mit Prapratno auf der Halbinsel Peljesac haben wir uns einen der zehn schönsten Strände Kroatien’s als Ziel heraus gesucht.