Faleminderit! Oder: Berlin 1.906 km

Tatsache: Mit diesem Straßenschild und der Ankündigung unserer Hauptstadt, mit einer Distanz von schlappen 2.000 km, verlassen wir nach drei Wochen Albanien erneut die Stadt Shkodër. Wir überqueren die Buna-Brücke in Richtung montenegrinische Grenze und machen uns auf in Richtung nach Hause. Aber alles der Reihe nach, in folgendem langen Kapitel🤓.

Auf unserer Tour um den Ohridsee ist unser erster Stop das Kloster Sveti Naum. Wunderschöner Ort orthodoxer Geistlichkeit. Eine historische Klosterkirche mit steinalten Ikonenmalereien und Dutzende von quiekenden Pfauen auf dem Klosterhof. Der an Bruder Tuck erinnernde Mönch am Kassenschalter schenkt Bruno mit liebevollem Blick aus seinem Souvenirsortiment ein “Holzkreuzchen” an einer Schnur. Die anderen Besucher posen für Fotoaufnahmen vor der Kirche. 

20 km weiter fahren wir ins Zentrum von Ohrid ein und finden auch tatsächlich einen Parkplatz. Wir schlendern zwei Stunden durch die Altstadt (Weltkulturerbe again😜) mit ihrer Vielzahl an Kirchen. Die Stimmung hier ist besonders, man fühlt sich an eine Stadt an einem oberitalienischen See erinnert. Schon die Gründer der Stadt schwärmten vom besonderen Licht dieser Stadt am See.

Mittagessen im Bus und dann geht es zunächst weiter um den See und dann an einem Stausee entlang nach Debar und dahinter wieder nach Albanien. Kurz verfranzen wir uns, bekommen aber am falschen Grenzübergang freundlich von den albanischen Zöllnern mit Händen und Füßen den richtigen Weg geschildert. 

Wir erreichen Peshkopi rechtzeitig, um noch einen Spaziergang durch die Stadt zu machen. Auf dem Land gegen Abend noch mit dem Auto unterwegs zu sein, bedeutet tatsächlich vorsichtig zu fahren, da dann viele ihre Kuh oder ihre Schafe am Straßenrand nach Hause treiben. Die Zeit scheint hier auf dem Land stehen geblieben zu sein. In Peshkopi’s Handwerkerstraße, oder aber auch in den Modeläden und den Haushaltswarengeschäften.
Wir investieren in einen Nudelsieb, den wir schon die ganze Zeit vermisst haben 😊. Viele Fremde scheinen hier nicht her zu kommen. Zumindest fühlen wir uns auf der Straße wie Exoten und kleine Kinder zeugen mit dem Finger auf uns. Ganz anders auf unserem “Campingplatz” mit Familienanschluss, im Garten zwischen Weinreben.
Die achtjährige Tochter spricht super englisch ist vernarrt in Bruno und wir werden sofort freundlich mit türkischem Mokka begrüßt. Bruno hat die Aufmerksamkeit der ganzen Familie und lernt hier seine erste Katze kennen, bzw. die ihren ersten Bruno, der ihr wenig sentimental am Schwanz zieht 😂. Abendessen gibt es im Kreis aller weiteren Campinggäste und Reisekumpane. Der Grafikdesigner und die Bauzeichnerin aus Ulm, das süße Renterpaar, das vor 30 Jahren schon mit dem Wohnmobil die Türkei und den Jemen bereist hat, und wir verbringen einen schönen Abend. Die Geschichte des Abends stammt von dem liebenswerten Paar, beide bereits um die siebzig, die, in den 1960er Jahren um ihrer Liebe Willen, um ein Haar vom legendären Schmied im schottischen Gretna Green getraut worden wären (der traut übrigens heute noch ab 323,90€😜). Die Eltern gaben der Beziehung davor dann aber doch noch ihren Segen ... 

Es regnet am nächsten Morgen und wir machen rasch los. Es wird ein anstrengender Tag auf der holprigen Straße entlang der Grenze zum Kosovo. Vorbei am Korab, Albaniens höchstem Berg, noch mehr Stauseen, jedes Tal rauf und runter und jedes Tal am Hang entlang ausgefahren, ohne Tunnel oder Brücken. Und klar, das dauert entsprechend und kostet Konzentration. Der zu recht nörgelige Bruno bekommt im Kindersitz vom Papa eine Fussmassage, die ihn zum Mittagschlaf hin schlummerig macht. Bis auf einige winzige alte Dörfer ist hier wirklich nichts los.
Wir sind dann auch froh als es endlich ins Tal hinab geht nach Bajram Curri, dem Tor zum Valbona-Tal.
Aber zunächst geraten wir in ein finsteres Gewitter. Rauschende Bäche mit Regenwasser fluten in Sekunden die Straßen und wir retten uns unter dem Dach einer Tankstelle vor den Hagelkörnern. Was ein Tagesabschluss und was eine Aufregung bei uns dreien. Angst um unsere geliebte Tante Timbuktu natürlich inklusive. 

Wir kommen im Valbona-Tal an, fahren bis an das Ende des Tales und stellen uns an den Rand des Bachbettes, die Berge zum Greifen nah. Nach drei Wochen Beinahe-Vegetariertum, verspeisen wir an diesem Abend in der Wirtschaft nebenan gefühlt ein Lamm und eine Ziege vom Grill.

Der Schlaf in der kühlen Bergluft ist viel erholsamer als in der Hitze der Küste. Bruno steht mal wieder um sechs auf der Matte und erkundet den Bus gemeinsam mit einem von uns bis ins hinterste Eck. Der Wasserhahn, die Leselampen... alles wird auf maximale Beanspruchung getestet🙈. Am Morgen wandern wir weiter ins Tal hinein, über Pferdeweiden, vorbei an ursprünglichen Steinhäusern, durch duftenden wilden Thymian, mit Blick auf die Gletscher an der gegenüberliegenden Wand. Wenn wir wieder kommen, wollen wir bis ans Ende des Tals und rüber bis ins Tal von Teth wandern, aber nicht heute. 

Wir spüren langsam Heimweh nach zuhause. Den Rest des Tages cruisen wir zum Fierza-Staudamm hoch, essen für kein Geld toll zu Abend, wollen an einem Partisanen-Denkmal mit hunderten von Gräbern drumrum übernachten, was uns dann aber doch zu gruselig wird. Es gewittert und schüttet wieder in Strömen, aber da haben wir uns Nachtquartier am Fähranleger bereits schön eingerichtet. 

Wir haben unseren Platz auf der Fähre Berisha reserviert. Mit Bruno erwandern wir früh morgens die Umgebung. Als wir zurück kommen haben wir Nachbarn. Vater und Sohn, die ihren alten Mercedes-Lkw voll mit Schaf-Fellen nach Shkodër bringen. Einen Großteil des Jahres verbringen sie im Valbona-Tal, der Rest der Familie lebt in Shkodër. Wir freunden uns an. Wir machen Frühstücksomlette, die beiden bringen leckeren frischen Schafskäse, Schafsjoghurt, eingelegte Gurken und harten Raki in ner Plastikbuddel. Wir verschenken im Gegenzug schwäbischen Birnenbrand☺️.
Um 13:00 Uhr geht es dann los, von Fierza über den Koman-See nach Koman. Und hier ist zwei Stunden lang wirklich original Karl-May-Landschafts-Feeling angesagt. Loreley auf albanisch. Wir sagen unseren albanischen Freunden au revoir.
Runter von der Fähre und rauf auf die Piste. Anderthalb anstrengende Stunden - es sind nun wirklich die letzten fiesen Bodenwellen und Schlaglöcher unserer Reise 😊 - für 30 km Strecke bis ans Ende des Stausees, und dann nochmal weiter in der Ebene nach Shkodër. 

Wir sind wieder da, wo wir vor drei Wochen unsere Reise durch Albanien gestartet haben. Es fühlt sich diesmal aber komplett anders an. Mit vielen tollen Eindrücken im Gepäck, vielen tollen Begegnungen und vielen gemeinsamen Erfahrungen zu dritt, in diesem wunderschönen, aber auch zum Teil saumäßig anstrengenden Land. Gleichzeitig sind wir alle drei unglaublich schnell gereizt und erschöpft. Im Supermarkt investieren wir unsere restlichen Leke in Ziegenkäse und Süßigkeiten für die lange Heimfahrt. Wir sagen Faleminderit - vielen herzlichen Dank - für die wunderbare Zeit in Albanien, als wir die Brücke gen Berlin überqueren. Jetzt geht es zurück, die Küste immer zu unserer Linken.